Freiheit pur

Das Konzept ist immer noch verheißungsvoll: Ein Ex-Militärpolizist vagabundiert durch Amerika – ohne Gepäck und anderen Ballast, kein Besitz, keine Versicherungen, keine Verpflichtungen, kein Ziel.

Es ist der Ortsname, der Reacher aus dem Zug aussteigen lässt, irgendwo im Mittleren Westen: Mother’s Rest. Er hat sonst nichts zu tun, kann seine Zeit verbringen, wo und wie er will – und an diesem Tag interessiert ihn, welche Mutter dort Ruhe gesucht, vielleicht auch gefunden hat, welche Geschichte hinter dem Ortsnamen steckt.

Eine Antwort auf seine Frage kann ihm niemand geben, stattdessen gerät Reacher in einen Fall. Ein Privatdetektiv ist spurlos verschwunden, und die Männer des Dorfs, der von der Getreideproduktion lebt, stecken für dunkle Geschäfte unter einer Decke.

 

Bewährtes Strickmuster – und doch anders

Keine Kompromisse ist der 20. Band um Reacher, es gibt auch bereits Verfilmungen: mit Tom Cruise in der Hauptrolle. Die Bände sind vor allem im englischsprachigen Raum sehr erfolgreich, aber auch in der deutschen Übersetzung längst kein Geheimtipp mehr.

Das Strickmuster hat sich bewährt: Wie einst John Wayne kämpft Ex-Militärpolizist Jack Reacher gegen das Böse, prügelt sich, gewinnt jeden Faustkampf, selbst wenn die Gegner in der Überzahl sind und er in diesem Fall mehr einstecken muss als sonst, verbringt ein paar angenehme Stunden mit einer attraktiven Frau und zieht am Ende weiter.

Das ist handfeste, schlichte Unterhaltung, solide Serienproduktion, mehr nicht – wenn da nicht das Konzept der Freiheit wäre, das Vagabundieren durch Amerika, das nach wie vor elektrisiert. Gerade wieder in diesem 20. Band, in dem Reacher aus einem der amerikanischen Züge aussteigt, die unendlich lang zu sein scheinen, und mitten im Nirgendwo bleibt, nur weil ihn die Geschichte interessiert, die hinter dem Ortsnamen steckt.

Lee Child. Keine Kompromisse. Übersetzt von Wulf Bergner. Juni 2019, Blanvalet, 448 Seiten, 22 Euro

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