Geheime Agenda

Eine »Reichsbürger«-Gruppe wurde diese Woche verboten und der »Flügel« der AfD als rechtsextrem eingestuft – das sind Themen, mit denen sich auch der Düsseldorfer Horst Eckert in seinem neuen Polit-Thriller befasst.

In seinem ersten Beruf war er Journalist, das merkt man seinen Thrillern bis heute an: Sie drehen sich um politische Themen, sind aufgebaut auf akribischen Recherchen, getrieben von der Leidenschaft für politische Analysen, für das genaue Hinschauen. Geprägt auch vom Misstrauen gegenüber Politikern und dem Verfassungsschutz, das der Düsseldorfer Autor gut begründen kann.

Das neue Buch – Im Namen der Lüge – widmet sich geheimen Agenden und Täuschungsmanövern: Anschlägen, die von V-Leuten in Gang gesetzt, von Beamten und Politikern in Auftrag gegeben wurden. Verbrechen, die der Gegenseite in die Schuhe geschoben werden, um so extreme Ansichten und die eigene Karriere zu fördern. Teile der Polizei und des Verfassungsschutzes sind auf dem rechten Auge blind, schlimmer noch: Sie mischen mit – das ist die Geschichte dieses Thrillers.

 

Terror-Geschichte

Mit ihm startet Eckert eine neue Reihe und schließt zugleich an die vorausgegangene Trilogie an. Seine letzten drei Bücher drehten sich um einen Ermittler mit bemerkenswerter Familiengeschichte, und jetzt holt der Autor ihn wieder in das Geschehen hinein, Kommissar Vincent Veih, oder genauer: Vincent Che Veih. Sein vollständiger Name ist eine Reminiszenz an revolutionäre Zeiten, die im Kollegenkreis des Düsseldorfer Polizeipräsidiums nicht unbedingt gut ankommt.

Veih ist der Sohn einer RAF-Terroristin, die eine lange Haftstrafe abgesessen hat und jetzt als Fotografin in der Kulturszene für Aufsehen sorgt. Und er ist Enkel eines Polizisten, der während des Nazi-Regimes einer der besonders grausamen »Gesetzeshüter« war. Beide Figuren – Mutter und Großvater – sind, wie oft bei Eckert, dicht an reale Biografien angelehnt.

Lange war der Kommissar über Kreuz mit seiner Mutter, die ihn im Alter von sieben Jahren bei ihren Eltern zurückgelassen hatte. Inzwischen haben Mutter und Sohn, Ex-Terroristin und Polizist, sich aber einander angenähert. Zudem tritt im aktuellen Band, der nicht mehr bei Rowohlt, sondern bei Heyne erscheint, eine neue Protagonistin auf: Melia Khalid, Referentin des Inlandsgeheimdienstes, Tochter eines begnadeten bis skrupellosen Polit-Strippenziehers und einer Migrantin aus Somalia. Melia ist eine farbige deutsche Beamtin, die mit ihrem exotischen Flair ebenso wie Vincent Veih bei rechtsgerichteten Kollegen auf Ablehnung stößt.

 

Hochaktueller Polit-Thriller

Eckerts Romanhelden werden nicht immer lebendig, wirken wie Figuren auf einem Schachbrett, die der Autor für bestimmte Spielzüge braucht. Die politischen Themen, das passionierte Eintreten für Transparenz, für ein Recht, das seinen Namen verdient, für Rechtsstaatlichkeit, Offenheit, Toleranz: Das alles sind aber die Stärken seines neuen Thrillers.

Der Zeitplan passte perfekt, als ob das geplant gewesen wäre: Eine Woche nach dem Erscheinen des Thrillers wurden eine »Reichsbürger«-Gruppe verboten, und der »Flügel« der AfD wurde vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft. Nicht alles steht also im Zeichen von Covid 19: Eckerts Buch greift weitere hochaktuelle Themen auf.

Horst Eckert: Im Namen der Lüge. 9. März 2020, Heyne, 512 Seiten, 12,99 Euro

 

 

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