#frauenzählen

Eine Studie bestätigt, was vorher schon offensichtlich war: Literaturkritik befasst sich vor allem mit den Werken männlicher Autoren.

Wenn man sie fragt, warum das so ist, werden Literaturkritiker schon mal unwirsch, besonders die, die sich mit Krimis befassen: Gender sei ein außerliterarisches Kriterium und habe nichts mit der Qualität eines Werks zu tun.

Wenn eine Studie jetzt Zeilen und Sendeminuten zählt und zu dem Ergebnis kommt, dass die Werke von Autoren mehr Aufmerksamkeit bekommen als die von Autorinnen, ist der Schluss, den diese Kritiker daraus ziehen, klar: Es gibt tatsächlich mehr Männer als Frauen, die gute Werke schreiben. Und offensichtlich schreiben Männer auch bessere Kritiken, denn sie dominieren den Rezensionsmarkt.

Männer schreiben, Frauen lesen?

Die Studie trägt den Titel „Sichtbarkeit von Frauen in Medien und im Literaturbetrieb“. Hinter ihr stehen das Branchenprojekt #frauenzählen und das Institut für Medienforschung der Universität Rostock. Ausgewertet wurden 2.036 Besprechungen in 60 deutschen Medien aus dem März 2018.

Das sind die wichtigsten Ergebnisse:

  • Zwei Drittel aller Besprechungen würdigen die Werke von Männern.
  • Männer schreiben überwiegend über Autoren. (Besonders deutlich ist das beim Krimi: Hier sind es 82 Prozent der Rezensenten).
  • Männern steht deutlich mehr Raum für Kritik zur Verfügung.

Das sind erst einmal statistische Fakten, die interpretiert werden müssen – und natürlich wird der Sinn der Studie mit den altbekannten Argumenten bestritten. Man kann aber – und ich finde: frau sollte – die Rezensionspraxis hinterfragen.

Wenn man sich ein bisschen Mühe gibt, findet man sicherlich intelligentere Antworten als die, dass es mehr Männer als Frauen gibt, die schreiben und ihre Werke veröffentlichen wollen. Oder dass die Bücher von Männern mehr Aufmerksamkeit finden als die von Frauen, weil sie nun mal besser sind. Man kann auch darüber nachdenken, was „besser“ in diesem Kontext bedeutet, wer die Maßstäbe setzt, welche Kriterien gelten.

http://www.frauenzählen.de

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