Finanzkrise

Wichtiges Thema, aber für einen Thriller ist das zu wenig: Marc Elsberg strickt seine neue Geschichte um die Gier von Superreichen und um Wirtschaftstheorien.

Mit Blackout hat der Wiener Autor sein Erfolgsrezept gefunden: mit dem Buch um einen Stromausfall in ganz Europa (ausgezeichnet als Wissensbuch des Jahres 2012 in der Kategorie Unterhaltung): Er arbeitet ein wichtiges Zeitthema in einem Thriller auf. Motor auch des neuen Titels ist nicht eine Geschichte, sondern ein Thema: Gier, Skrupellosigkeit, die Anhäufung von Vermögen durch einige wenige auf Kosten vieler anderer.

Mehr noch, es ist nicht nur ein Thema, der Wiener Autor will eine Botschaft senden: So darf es nicht weitergehen. So muss es auch nicht weitergehen, sagt er, weil es gute Alternativen zum Turbo-Kapitalismus gibt, und die will er seinen Lesern nahebringen.

 

Plädoyer für ein anderes Wirtschaftsmodell

Eine Geschichte erzählt er aber natürlich auch. In seinem neuen Thriller will ein Nobelpreisträger der in Berlin versammelten Politik- und Wirtschaftselite ein alternatives Wirtschaftsmodell vorstellen – und damit den Milliardären in ihre Hummersüppchen spucken, die während der nächsten Finanzkrise wieder einmal richtig absahnen wollen.

Doch bevor er seine Ideen präsentieren kann, stirbt er bei einem Autounfall, der tatsächlich kein Unfall ist, sondern Mord. Den einzigen Zeugen wollen die Bösen beseitigen. Er kann entkommen, dummerweise aber hält die Polizei ihn für einen der Täter – und so ist er auf der Flucht und versucht herauszufinden, wer hinter dem Anschlag steckt. Dabei findet er durch allerlei allzu konstruierte Zufälle einen, der ihn bei der Detektivarbeit unterstützt.

 

Wundersame Entwicklungen

Spannung kann Elsberg, die Figuren bleiben aber blass: die beiden Detektive, einer der skrupellosen Milliardäre und seine – natürlich – äußerst attraktive und kluge Mitarbeiterin, mit der er eine Affäre hat. Sie interessiert sich erst einmal mehr für ihre Karriere als für den Rest der Welt, kann aber doch weiterdenken und will es wundersamerweise schließlich auch.

Ein literarischer Hochgenuss muss ein Thriller nicht sein. Aber Gier wirkt allzu konstruiert und schablonenhaft. Interessant und wichtig ist allerdings das Thema: die Verteilung von Reichtum und Armut, Gerechtigkeit und Unrecht – und ein Wirtschaftsmodell, bei dem nicht einzelne reich werden, sondern von denen viele profitieren können. Man muss in diesem Thriller aber viel zur Seite schieben, um bis zum Ende durchzuhalten.

Marc Elsberg: Gier. Februar 2019, Blanvalet, 448 Seiten, 24 Euro

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