Lebensfragen

Daniela Krien erzählt von Frauen in Leipzig, deren Lebens- und Liebesgeschichten sie locker verbindet. Das Spannende an diesem Roman ist der Reflexionsraum, den sie öffnet.

Mit vielen Details, aber nicht überladen, konzentriert auf das Wesentliche, erzählt Daniela Krien von fünf Frauen, die in Leipzig zu Hause sind: eine Buchhändlerin, eine Ärztin, eine Schriftstellerin; dazu kommen zwei Schwestern, die eine ist Musiklehrerin, die andere Schauspielerin.

Der Beruf ist aber nur ein Aspekt. Das feministische Anliegen der Selbstverwirklichung im Job ist fast schon selbstverständlich geworden, wenn man es denn will. In dem Roman geht es um die Frage, was Frauen insgesamt aus ihrem Leben machen; und auch, wie sie Beruf und Familie verbinden.

Dabei bleibt Krien mit den fünf Lebensgeschichten beim unspektakulär Alltäglichen. Die Liebe ist das zentrale Thema, das Zueinanderfinden, Betrug, Verlassen und Verlassenwerden. Eine der Frauen kann keine Kinder bekommen; eine hat zunehmend Mühe damit, Mutter zu sein; eine verliert ihre kleine Tochter.

 

Warum trifft man gerade diese Entscheidung?

Krien erzählt von Verlust und Patchworkfamilien, von der Unfähigkeit zu Beziehungen oder dem fehlenden Interesse an ihnen, von Abhängigkeiten und Sehnsüchten. Und von Entscheidungen, die man trifft, ohne deren Konsequenzen zu übersehen – und dann muss man mit ihnen zurechtkommen.

Mit dem Fokus auf dem Unspektakulären widmet sie sich aber den wichtigen Fragen: Was erhofft man sich vom Leben? Warum trifft man gerade diese Entscheidung und nicht eine andere, ergreift diesen Beruf, verliebt sich in diesen Mann, bekommt Kinder mit ihm? Inwiefern ist man frei und inwiefern eine Marionette, deren Fäden jemand anders zieht, ist ferngesteuert von Menschen und Erlebnissen, die einen geprägt haben?

Krien gelingt es, mit diesem Roman zu fesseln. Es sind allerdings nicht die Frauenfiguren, die in Erinnerung bleiben – fast prototypisch gezeichnet, wirken sie vielmehr eher blass. Der Reflexionsraum, den die Autorin öffnet, wirkt dagegen nach. Durch ihn wird der Roman lesenswert, durch die Fragen, die er aufwirft, durch seine Ehrlichkeit und Lebensnähe.

Daniela Krien: Die Liebe im Ernstfall. Februar 2019, Diogenes, 288 Seiten, 22 Euro

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