Kurs Süd-West

Mit einer Armada von fünf Schiffen brach Magellan vor 500 Jahren in Spanien auf. Er war nicht der erste, der unbekanntes Land erobern und plündern wollte. Einige seiner Männer aber waren die ersten, die um die Erde segelten.

 Sie wurden gefeiert, noch bevor sie die Segel hissten. Seereisen riefen aber auch Befremden hervor, zumindest bei einigen Autoren, deren Zeilen überliefert sind – und Christian Jostmann berichtet genüsslich von ihnen. Seefahrer, die solche extrem unkomfortablen, gefährlichen Reisen auf sich nahmen, waren entweder mit ihrem Seelenheil befasst oder fanden keine andere Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, beides war verständlich – alle anderen mussten schlicht wahnsinnig sein.

Viel ist über Ferdinand Magellan – Fernão de Magalhães – und seine geistige Gesundheit nicht bekannt. Auch nicht über seine Motive, die Strapazen einer solchen Expedition auf sich zu nehmen. Vermutlich war er aber nicht der hehre Held, als der er oft dargestellt wurde – Jostmann kratzt jedenfalls am Mythos. Wissenschaftliches Interesse wie mehr als 200 Jahre später Alexander von Humboldt hatte Magellan vermutlich nicht. Oder Maximilian zu Wied, der sich für die Menschen interessierte, denen er bei seinen Expeditionen im 19. Jahrhundert in den beiden Amerikas begegnete.

 

Schätze aus Übersee

Jostmann geht davon aus, dass es Magellan um Ruhm und vor allem um Reichtum ging, als er sein Heimatland Portugal und seinen König hinter sich ließ, um sich dem spanischen König anzudienen. Die beiden Herrscher hatten die bekannte wie die unbekannte Welt unter sich aufgeteilt. Jetzt ging es darum, sie zu erobern, die Schätze zu den Herrschern zu transportieren und damit selbst reich zu werden.

Erst einmal aber musste die Expedition finanziert werden, die Kurs Süd-West nahm, um die sagenumwobenen Inseln im Pazifik auf diesem Weg zu erreichen: fünf bewaffnete Schiffe, 239 Männer, Proviant für zwei Jahre. Die in etwa 25 Meter langen Schiffe waren gefüllt mit Weinfässern, Kanonen, Munition, Zwieback und mit vielem mehr – all dem, was man brauchte, wenn man wochenlang nichts sah als Wasser, wenn man durchgeschüttelt wurde von Stürmen oder den ungefährlicheren, aber zermürbenden Flauten ausgesetzt war.

 

Die Magellan-Straße

Ein wichtiges Etappenziel der Reise war es, im Süden Südamerikas einen Weg nach Westen zu entdecken. Die Wasserstraße fand Magellan mit seiner Armada tatsächlich, sie wurde auch nach ihm benannt. Der Preis für diesen Weg zu den begehrten Gewürzen und anderen Schätzen war aber hoch: Meutereien, Hunger, Durst, Skorbut und schließlich die Kämpfe mit denjenigen, auf die Magellan mit seinen Männern in der unbekannten Welt traf.

Am Ende war es nur ein sehr kleiner Teil der Mannschaft, der es schaffte, einmal um die Erde zu segeln und wieder in Spanien anzukommen. Magellan war nicht unter ihnen: Er war am 27. April 1521 bei Kämpfen auf den heutigen Philippinen ums Leben gekommen.

 

Beweis für die Kugelgestalt der Erde

Christian Jostmann ist Historiker, er bleibt nah bei den Quellen, hat dann auch kein Abenteuerbuch über die Seefahrer geschrieben, von denen die Kugelgestalt der Erde praktisch belegt wurde – und doch gelingt es ihm, in seiner Magellan-Biografie einen Eindruck von der Welt um 1500 zu vermitteln, von den Machtinteressen der Herrscher und ihrer Goldgier, aber auch von der Faszination des Reisens ins Unbekannte. Zugleich zeigt er die Gewalt denen gegenüber, die sich den Eroberern nicht beugen wollten.

Magellan ist ein akribisch recherchiertes, aber auch spannendes Sachbuch, das viel darüber zu sagen hat, wie die Welt zu dem wurde, was sie heute ist.

Christian Jostmann: Magellan oder Die erste Umsegelung der Erde. Februar 2019, C.H. Beck, 336 S., 24,95 Euro

 

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