Literaturkritik

Kurz und treffend geht Iris Radisch auf die Debatte um Takis Würgers Roman Stella ein. Vor allem aber bringt sie auf den Punkt, was wir gerade durch die Veränderung literarischer Welten verlieren.

In dem sehr lesenswerten Interview, das Iris Radisch, Leiterin des Zeit-Feuilletons, dem Börsenblatt gegeben hat, geht es auch noch einmal ums Literarische Quartett, darum, wie es früher war. Ich war kein Fan, anders als Radisch, habe nicht daran geglaubt, dass es Marcel Reich-Ranicki nur um literarische Wahrheit ging, er nur vom Wahrheitsfuror gepackt war. Es ging mir zu viel um Selbstdarstellung, Inszenierung. Manches fand ich auch unwürdig, den Umgang etwa mit Sigrid Löffler.

Dennoch: Es ist etwas verloren gegangen. Was dieses Verlorene ist, umreißt Radisch in dem Interview – und spricht die Debatte um den umstrittenen Roman Stella noch einmal an:

»Literaturkritik ist immer auch eine Verständigung über uns selbst. Deshalb war die Debatte um das schlechte Buch von Takis Würger doch zu etwas gut.«

 

Literatur: Konzentration auf das, was wichtig ist

Man muss in der neuen Influencer-Welt, mit der Radisch sich auseinandersetzt, nicht (nur) den Untergang des Abendlandes sehen. Man muss auch manche Rezension nicht vermissen, in der sich selbstverliebt und verstaubt-akademisch der Kritiker selbst feiert. Ein Kritiker zumal, für den das Thema eines Romans nebensächlich ist, dem es nur auf die Form ankommt und der unter dem Niveau von Doktoranden gar nicht erst anfängt.

Aber es lohnt sich, über Literaturkritik nachzudenken – und diesen Reflexionsraum öffnet Iris Radisch in dem Gespräch mit Börsenblatt-Redakteur Stefan Hauck. Sie bringt zur Sprache, was an Literatur und Literaturkritik besonders ist, besonders sein kann, was wir gerade verlieren. Oder genauer: Was wir mehr und mehr aufgeben – Literatur als Kunstform, die sich den herrschenden Verhältnissen entzieht, dem schlichten Konsumieren, der Fragmentierung des Alltags, unter anderem durch die sozialen Medien.

https://www.boersenblatt.net/2019-06-13-artikel-iris_radisch_zur_situation_der_literaturkritik.1672148.html

 

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