Klimawandel

Nach mir die Sintflut – oder doch lieber nicht? Die Ergebnisse von 25 UNO-Klimakonferenzen sind mager, dabei mangelt es nicht an Einsicht und Büchern, wie menschengemachtem Klimawandel Einhalt geboten werden könnte.

Eine Mühle, idyllisch gelegen an einem Bach, dessen Wasser aber von der nahen Zuckerfabrik verschmutzt wird und stinkt: Wilhelm Raabes Pfisters Mühle aus dem Jahr 1884 gilt als der erste Umweltroman. Knapp 100 Jahre später – 1971 – gründete sich Greenpeace, ein Jahr später erschien Die Grenzen des Wachstums, das legendäre Buch des Club of Rome, das Gründungsdokument der Umweltbewegung, 1980 machten die Grünen von sich reden – längst war klar, dass es nicht einfach so weitergehen kann. Aber all das zeigte wenig Wirkung: Es folgten Jahre ungebremster Mobilität und ungehemmten Ressourcenverbrauchs.

Erst jetzt scheint Bewegung zumindest in die Debatten zu kommen. Zwar gibt es noch hartgesottene Leugner des menschengemachten Klimawandels wie Donald Trump. Aber sie werden weniger, seitdem Klima und Wetter den Expert_innen Recht geben: schmelzende Gletscher, Monster-Stürme, Überflutungen und Erdrutsche, Hitze und das Ausbleiben von Regen in anderen Regionen, Brände im Amazonas, in Kalifornien, in Australien.

 

Schein und Sein

Auch in Berlin tut sich etwas: Die Bundesregierung hat ihr Klimapaket verabschiedet. Nur nutzen Minister_innen weiterhin Spritschleudern, und Abgeordnete fuhren 2019 deutlich öfter als vorher mit dem Flugzeug von Berlin nach Bonn, statt den Zug zu nehmen – wenn Politiker_innen mit der Gestaltung der Zukunft befasst sind, kann man offensichtlich nicht auch noch von ihnen verlangen, dass sie eigenes Verhalten hinterfragen.

Dabei könnten sie sich nicht nur in Sachen Einsicht und Engagement, sondern auch bei der Selbstdarstellung einiges von den Fridays for Future-Aktivist_innen abschauen: Sie haben schnell gelernt, dass sie sich von ihren Eltern nicht mit Jeeps zur Demo fahren oder sich mit dem Taxi durch Berlin von einem Interview zum nächsten kutschieren lassen sollten. Zumindest sollte man sich nicht erwischen lassen: wie die Schulklasse, die einen Umweltpreis gewann und sich zur Belohnung einen satten CO2-Ausstoß bei einer Kreuzfahrt gönnte. Oder unliebsame Details nicht so in den Vordergrund stellen: Greta Thunberg ließ sich zwar über den Atlantik segeln, ihre britische Skipperin musste aber erst einmal nach Amerika fliegen, um die Yacht für den Törn Richtung Madrid übernehmen zu können.

 

Fridays for Future oder einfach weiterkonsumieren?

Es hilft nichts: Das Nachdenken über Klimawandel und Klimaschutz, das Setzen von Zeichen, das Engagement – das alles ist komplex und kompliziert, und die Frage, was zu tun ist, ist noch schwieriger zu beantworten, als die UNO-Klimakonferenzen es nahelegen. Geht es doch nicht »nur« um Braunkohle, Zertifikate, E-Mobilität und Ökostrom, um politische Entscheidungen mit globalen Konsequenzen. Es geht vielmehr auch und gerade um Konsum und Kapitalismus, um Lebensformen, Ernährung und Landwirtschaft oder auch darum, was mit Tourismusorten geschieht, wenn man nicht mehr oder anders reisen sollte.

Die jungen Aktivist_innen in die Pflicht zu nehmen, macht keinen Sinn: Schüler_innen können nur mahnen. Es sind die Älteren, die Verantwortung übernehmen, Perspektiven entwickeln, handeln müssen: Philosoph_innen, die sich mit Ethik befassen; Psycholog_innen, die eine Idee dazu haben, warum den Trumps und Bolsonaros Umweltfolgen egal sind; Wirtschaftswissenschaftlerinnen, Soziologen, Politologinnen, die sich mit Demographie befassen, mit Ideologien, mit Kapitalismus; Ingenieur_innen, die Ideen entwickeln für andere Autos und andere Flugzeuge; Konsument_innen, die weniger Strom, die weniger Ressourcen verbrauchen.

 

Bücher sind Teil des Problems und der Lösung

Dabei ist es nicht gerade vielversprechend, dass 2019 – im Jahr von Fridays for Future – noch mehr SUVs in Deutschland verkauft wurden und die Zahl der Flugreisen deutlich anstieg. Immerhin gibt es aber zahlreiche Bücher darüber, wie man Zeichen setzen, was man tun könnte – Bücher, die allerdings als physische Produkte auch Teil des Problems sind: Papierverbrauch, Plastikverpackung, Lieferwagen… Aber es gibt Optionen: Der S. Fischer Verlag etwa hat das Thunberg-Buch Szenen aus dem Herzen. Unser Leben für das Klima dem Thema entsprechend produziert: klimaneutral, mit FSC-zertifiziertem Papier, nicht foliert, und der Verlag unterstützt die Erstaufforstung von Laubmischwäldern in Schleswig-Holstein. Oder buch7.de: Der Online-Buchhändler spendet 75 Prozent seines Gewinns an soziale sowie ökologische Projekte, kompensiert seinen CO2-Ausstoß über atmosfair (atmosfair.de/de/) und ist damit ist eine gute Alternative zu Amazon.

Auch wenn vernunftgeleitetes, verantwortungsbewusstes Handeln nicht gerade eine menschliche Stärke ist – es gibt Einsicht und interessante Bücher: Die Titel auf dieser Seite sind nur eine kleine Auswahl.

 

 

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